Menü

Mahabarata-Epos

 unbekannt    Teakholz    Indonesien


Mahabarata-Epos | unbekannt | Teakholz

Audioguide-Player

       

Exponatdetails

Kennen Sie den indischen Mahabarata-Epos, eine der zwei großen Heldensagen des ozeanischen Raumes? Falls nicht, können Sie ihn nun kennenlernen. Der Künstler nutzte ihn als literarische Vorlage für die vor Ihnen stehende Arbeit. Entstanden zwischen 400 v. Chr. und 400 n. Chr. thematisiert der Mahabarata-Epos den langen Kampf zwischen zwei Familien: die bösen Kauravas und die guten Pandavas kämpfen um ein geteiltes Königreich. Seinen Höhepunkt findet diese Auseinandersetzung in einer 18 Tage dauernden Schlacht, aus welcher die guten Pandavas als Sieger hervor gehen. Ausgehend davon verästelt sich die Geschichte in zahlreiche weitere Erzählungen. Diese Vielfalt ist es, die auch im ausgestellten Kunstwerk deutlich wird. Nehmen Sie sich doch einmal die Zeit und gehen sie auf Entdeckungsreise: was können Sie entdecken?

 

 

Mahabharata – Krishna unterweist Arjuna

Das durchbrochene Holzrelief verdichtet zentrale Motive des indischen Epos Mahabharata. Im Mittelpunkt steht die Szene der Bhagavad Gita: Vor Beginn der Schlacht von Kurukshetra zweifelt der Held Arjuna an seiner Pflicht zu kämpfen. Über ihm erscheint Krishna in übermenschlicher, göttlicher Form, mit mehreren Armen und königlichen Schirmen als Zeichen kosmischer Autorität. Krishna offenbart Arjuna die Lehre von Dharma (Pflicht), Karma (Handlung) und Moksha (Erlösung).
Unterhalb dieser Unterweisung entfaltet sich das Chaos des Krieges mit kämpfenden Gestalten und leidenden Körpern. Die vertikale Komposition verbindet menschliches Handeln, göttliche Führung und kosmische Ordnung zu einer moralischen Gesamtschau. Das Werk zeigt nicht den Sieg einer Partei, sondern den geistigen Kern des Epos: die Suche nach richtigem Handeln in einer Welt voller Konflikte.

So können Sie die Figuren von oben nach untenlesen:

A – Krishna (kosmische Erscheinungsform / Vishnu-Avatar)
Mehrarmige, übergeordnete Gestalt mit königlichen Schirmen. Symbolisiert göttliche Weisheit, kosmische Ordnung und das universelle Gesetz (Dharma). Die Handgeste verweist auf verborgenes, nur Eingeweihten offenbartes Wissen.

B – Himmlische Wesen (Devas / Apsaras)
Schwebende Figuren in Wolken- und Flammenornamenten. Beobachter des Geschehens, Sinnbild der höheren kosmischen Ebene.

C – Arjuna (Pandava-Held)
Bogenschütze in lauschender, zurückgenommener Haltung. Empfänger der göttlichen Unterweisung. Verkörpert den zweifelnden Menschen zwischen Pflicht und Mitgefühl.

D – Krieger des Schlachtfeldes von Kurukshetra
Kämpfende, ineinander verschlungene Figuren. Darstellung von Gewalt, Chaos und menschlicher Verstrickung in weltliche Konflikte.

E – Kosmischer Untergrund / Chaoszone
Verdichtete Körper, tierhafte und dämonische Züge. Sinnbild für Leid, Tod und die Konsequenzen menschlichen Handelns.

Dieses Kunstwerk zeigt keine einzelne Kampfszene, sondern einen entscheidenden Moment vor einem großen Krieg. Der Krieger Arjuna steht auf einem Schlachtfeld und erkennt, dass er gegen Menschen kämpfen müsste, die er kennt und liebt. Er weiß nicht mehr, was richtig oder falsch ist, und legt seinen Bogen nieder.

Über ihm erscheint Krishna, ein Gott, der ihm erklärt, dass Weglaufen keine Lösung ist. Krishna sagt Arjuna, dass jeder Mensch eine Aufgabe im Leben hat. Diese Aufgabe nennt man Dharma. Wenn man aus Angst oder Bequemlichkeit nicht handelt, kann das genauso falsch sein wie gewalttätiges Handeln aus Hass.

Das Kunstwerk zeigt unten das Chaos des Krieges, in der Mitte Arjuna mit seiner Entscheidung und oben Krishna als göttliche Wahrheit. Es macht deutlich: Entscheidungen sind schwer, aber Verantwortung gehört zum Leben. Mut bedeutet manchmal, das Richtige zu tun, auch wenn es weh tut.

Das Relief stellt den philosophischen Kern des Mahabharata dar: die Bhagavad Gita, ein Lehrgespräch zwischen dem Helden Arjuna und dem Gott Krishna. Arjuna steht kurz vor einer Schlacht, die politisch notwendig, moralisch jedoch zutiefst problematisch ist. Er zweifelt an Sinn, Schuld und Verantwortung seines Handelns.

Krishna erscheint nicht als kämpfender Gott, sondern als Lehrer. Seine übermenschliche Darstellung macht deutlich, dass er nicht nur eine Figur der Handlung ist, sondern das Prinzip kosmischer Ordnung selbst. Er lehrt Arjuna, dass moralisches Handeln nicht an persönlichen Gefühlen, sondern an verantwortlicher Pflichterfüllung orientiert sein muss – ohne Eigennutz, ohne Hass.

Die vertikale Struktur des Kunstwerks verbindet drei Ebenen: menschliches Leiden, ethische Entscheidung und göttliche Ordnung. Es geht nicht um Sieg oder Niederlage, sondern um die Frage, wie ein Mensch richtig handelt in einer widersprüchlichen Welt.

Zentrale Botschaft:
Nicht jede moralische Entscheidung ist eindeutig – aber Nicht-Handeln ist ebenfalls eine Entscheidung.

Schlüsselbegriffe:

• Dharma – Verantwortung / Pflicht

• Karma – Folgen von Handlungen

• Moksha – geistige Befreiung

Warum diese Szene bis heute relevant ist - sie stellt Fragen, die auch heute aktuell sind:
Wann darf man handeln? Wann muss man handeln? Und wie geht man mit Schuld um?

Mahabarata-Epos


Gebiet: Bali

Größe (B × H × T): 112 cm × 205 cm × 73 cm

Entstehungsjahr: 1988

Exponatnummer: 00319